Corona – Was wird aus unserem Staat?

Ich bin 56 Jah­re alt und kann somit frü­her und heu­te ganz gut gegenüberstellen.

Auch kann ich einen Ein­blick auf das Ver­hal­ten von Wis­sen­schaft­lern geben, da ich an der TU-Han­no­ver Mine­ra­lo­gie (Schwer­punkt Werk­stoff­ent­wick­lung) stu­diert habe und auch auf wis­sen­schaft­li­chen Tagun­gen mit Wis­sen­schaft­lern aus aller Welt teil­ge­nom­men habe.

Natür­lich sind unter­schied­li­che Mei­nun­gen auf­ein­an­der geprallt, aber man begeg­ne­te sich mit Respekt und Höf­lich­keit. Man ver­such­te sei­nen Gegen­über mit Argu­men­ten zu über­zeu­gen. In den Natur­wis­sen­schaf­ten läuft es fol­gen­der­ma­ßen ab. Ein Wis­sen­schaft­ler macht z.B. phy­si­ka­li­sche Beob­ach­tun­gen und erklärt die che­mi­sche Funk­ti­on der Ele­men­te mit einem Ärm­chen­mo­dell der Elek­tro­nen­kon­fi­gu­ra­ti­on der ein­zel­nen Ele­men­te und erschafft das Peri­oden­sys­tem (ganz genia­le Erschaf­fung). Ande­re Wis­sen­schaft­ler for­schen wei­ter und es ent­wi­ckelt sich das Elek­tro­nen­scha­len­mo­dell, dann das Han­tel­mo­dell, dann das Bän­der­mo­dell… Sie kön­nen mir glau­ben, dass bei jedem Schritt eine gro­ße Debat­te unter­schied­li­cher Mei­nun­gen auf­ein­an­der prall­ten, aber nur so kann es zum Fort­schritt kommen.

Heu­te sehe ich eben­falls Wis­sen­schaft­ler unter­schied­lichs­ter Mei­nun­gen. Was macht die Regie­rung? Sie sagt dem Volk glaubt nur den Wis­sen­schaft­ler, die wir für gut befin­den und glaubt nicht den ande­ren. Was macht das Volk, das gar nicht das fach­li­che Hin­ter­grund­wis­sen haben kann? Es beschimpft die „schlech­ten“ Wis­sen­schaft­ler als Alu­hü­te, Spin­ner und Schlim­me­res. Und das wird von der Regie­rung belohnt. Sie ver­leiht das Bun­des­ver­dienst­kreuz an Mai Thi Nguy­en-Kim. Ich bin nur dar­auf gesto­ßen, weil sich ein Pro­mi dar­über auf­ge­regt hat. Mai Thi Nguy­en-Kim habe ich dann gegoo­gelt. Sie ist eine Blog­ge­rin mit vie­len Fol­lo­wern. In der Kopf­zei­le steht Che­mi­ke­rin und Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tin. Und dann sah ich sie da an ihrem Schreib­tisch sit­zen und ihre gan­ze Art und Wei­se, wie sie sprach und ihre Ges­tik erin­ner­ten mich eher an einen Cheer­lea­der als an einen Wis­sen­schaft­ler. Sie streckt ihren Arm mit Han­dy hoch um einen guten Sel­fie-Win­kel zu errei­chen und macht eine „Lie­bes­er­klä­rung“ an Dros­ten: Wie dank­bar müss­ten wir Deut­schen sein, einen der welt­bes­ten Viro­lo­gen auf der Welt zu haben, der uns alles so ganz toll in unser eige­nen Mut­ter­spra­che erklä­ren kann… Dann spricht sie ein ander­mal über Bhak­di und ver­zieht das Gesicht, als hät­te sie einen schmut­zi­gen Lap­pen im Mund und for­dert Zen­sur oder ein Güte­sie­gel, das es Wis­sen­schaft­lern ver­bie­tet zu Wort zu kom­men. Ich fra­ge mich: Ist das die Wis­sen­schaft von heu­te? Es wird nicht argu­men­tiert, son­dern ein­fach nur mit Schimpf und Schan­de über jeman­den her­ge­zo­gen. Und die Regie­rung belohnt das!

Frü­her konn­te ich im Inter­net sur­fen, ohne auf Sei­ten zu sto­ßen, die gelöscht oder gesperrt waren, weil ich nicht zu der Grup­pe Pädo­phi­ler oder Kri­mi­nel­ler gehöre.

Heu­te sto­ße ich leicht mal auf gelösch­te Sei­ten, oder Bild­schirm wird schwarz und es erscheint eine War­nung: „Sind sie sicher, dass sie die­se Sei­te anse­hen wol­len, beden­ken Sie, dass eine Rück­ver­fol­gung mög­lich ist.“

Oder Wiki­pe­dia­ein­trä­ge über Wis­sen­schaft­ler ändern sich. Einst­mals gab es den nor­ma­len Lebens­lauf, jetzt wer­den zusätz­lich Ein­tra­gun­gen gemacht, die das Sie­gel Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker bekommen.

Frü­her fühl­te ich mich in die­sem Staat wohl, mit der Gewal­ten­tei­lung und den unan­tast­ba­ren Men­schen­rech­ten und der Meinungsfreiheit.

Dann kam Coro­na! Im Febru­ar sah ich die Hoch­rech­nun­gen. Hun­dert­tau­sen­de von Men­schen wür­den ster­ben, die Kran­ken­häu­ser wür­den unter dem Meer von Kran­ken und Ster­ben­den über­schwemmt wer­den. Eine ent­setz­li­che Pan­de­mie­wel­le schwappt über die Welt. Wir müs­sen die Kur­ve der Neu­in­fi­zier­ten flach hal­ten, damit die Kran­ken­häu­ser nicht über­schwemmt wer­den. So ent­schloss ich mich noch vor jeg­li­cher Regie­rungs­tä­tig­keit aktiv der Neu­in­fek­ti­on ent­ge­gen­zu­tre­ten. Ich ver­mied pri­va­te Kon­tak­te, ging mit Hand­schu­hen und Mas­ke ein­kau­fen. Im Mai schau­te ich um mich. Wo blei­ben die gan­zen Toten? In den bekann­ten Pan­de­mie­fil­men sah so etwas ganz anders aus. Im Gegen­teil die Kran­ken­häu­ser gin­gen in den Kurz­ar­beits­mo­dus, wegen Unterlastung.

Da las ich das Buch von Prof. Bhakdi.

Da sah ich schwe­re Schick­sals­ge­schich­ten aus Alten­hei­men und die Schlie­ßung von Schulen.

Da sah ich die Schick­sa­le von Men­schen, die ihre Arbeit ver­lo­ren haben.

Da sah ich Berich­te von anstei­gen­den Selbstmordraten.

Das hat mich alles erschüt­tert. Die Poli­ti­ker sag­ten: Ihr müsst Ein­schrän­kun­gen und Ent­beh­run­gen auf euch neh­men. Wir müs­sen eure Grund­rech­te abschaf­fen. Das ist nur vor­über­ge­hend, dann wird alles wie­der gut.

Dazu ein paar Aus­sa­gen aus dem Film Handmaid´s Tale, die ich frei und nicht wort­wört­lich zitiere:

„Sie sag­ten uns, dass es nur vor­über­ge­hend sei. Aber in einer Bade­wan­ne, deren Was­ser nur lang­sam erwärmt wird, merkt man nicht, dass man zu Tode gekocht wird.“

„Alles wird bes­ser. Das heißt aber nicht, dass es für alle bes­ser wird. Für eini­ge wird es schlechter.“

Wo führt uns die Kri­se hin? Sol­da­ten wer­den in Kin­der­gär­ten geschickt, die Poli­zei wird dazu auf­ge­for­dert, die Bevöl­ke­rung zu über­wa­chen, ob die Coro­na-Regeln ein­ge­hal­ten wer­den. Ich fra­ge mich bleibt den Poli­zis­ten da noch genug Zeit, Kri­mi­nel­le zu verfolgen?

Men­schen, die nicht regie­rungs­kon­form sind und demons­trie­ren, wer­den ent­las­sen. Sie begeh­ren trotz­dem wei­ter auf und suchen sich Arbeit­ge­ber glei­cher Gesin­nung. Sie kau­fen nicht mehr bei Kon­zer­nen ein, die so ein Sys­tem unterstützen.

Läuft es wirk­lich dar­auf hin­aus, dass ein Staat im Staat gebil­det wer­den muss. Restau­rants, die Gäs­te mit Mas­ke bedie­nen – Restau­rants für Leu­te ohne Mas­ke. Sol­che und jene Arbeit­ge­ber, Geschäfte…

Klar ist, dass man den Groß­teil der Bevöl­ke­rung nicht davon über­zeu­gen kann, dass Coro­na nicht das Super-Kil­ler­vi­rus ist. Aber ein ande­rer Teil, und wir wer­den immer mehr, kann und will nicht län­ger so wei­ter leben. Und wer glaubt, dass das alles nur noch einen Monat so wei­ter geht, könn­te recht haben oder auch nicht. Ich habe die War­nung eines deutsch­stäm­mi­gen in Mel­bourne, Aus­tra­li­en ernst genom­men, der sag­te, dass man bei ihnen auch von einem Monat sprach und es jetzt bereits drei Mona­te sind und ein Ende nicht abseh­bar sei.

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